
Low-Code-Plattformen ermöglichen schnelle App-Entwicklung, stoßen aber bei komplexen Anforderungen an Grenzen. Dieser Expertenartikel vergleicht Low-Code mit klassischer Entwicklung und zeigt, wann welcher Ansatz am besten geeignet ist.
Low-Code-Plattformen haben die Anwendungsentwicklung in den letzten Jahren revolutioniert. Doch wann stößt Low-Code an seine Grenzen und wann ist die klassische (traditionelle) Softwareentwicklung die bessere Wahl? In diesem Beitrag analysieren wir Stärken und Schwächen beider Ansätze und geben Ihnen praxisnahe Empfehlungen, wann welches Modell sinnvoll ist.
Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, digitale Lösungen schnell und effizient umzusetzen. Low-Code-Entwicklung verspricht enorme Geschwindigkeits- und Kostenvorteile. Dennoch gibt es Szenarien, in denen dieser Ansatz an seine Grenzen stößt. Wir beleuchten, wann Low-Code geeignet ist, wann nicht und wie Sie die richtige Entscheidung für Ihr Projekt treffen.
Mit langjähriger Erfahrung in der Softwareentwicklung und der Begleitung zahlreicher Digitalisierungsprojekte bieten wir Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Entdecken Sie die wichtigsten Vorteile, Nachteile und Praxisbeispiele für beide Ansätze und vermeiden Sie typische Fehler bei der Auswahl Ihrer Entwicklungsstrategie.
Low-Code bezeichnet Entwicklungsplattformen, die es ermöglichen, Anwendungen mit minimalem Programmieraufwand zu erstellen. Mithilfe von visuellen Editoren und Drag-and-Drop-Funktionalitäten können auch Fachanwender (sogenannte Citizen Developer) Prozesse digitalisieren, ohne tiefe Programmierkenntnisse zu besitzen.
Der Fokus liegt auf Geschwindigkeit und Agilität. Die Plattform übernimmt viele technische Details wie Datenbankanbindung oder Benutzerverwaltung.
Bei der klassischen (traditionellen) Entwicklung wird Software von Grund auf programmiert. Entwicklerinnen und Entwickler nutzen Programmiersprachen wie Python, JavaScript oder Java und haben die volle Kontrolle über den Code und die Architektur.
Typische Einsatzgebiete sind unternehmenskritische Anwendungen, komplexe Web-Apps oder hochperformante Backend-Systeme.
Mit Low-Code können Unternehmen deutlich schneller Prototypen und produktive Anwendungen erstellen. Prozesse wie die Implementierung von Workflows oder Formularen lassen sich oft in wenigen Tagen abschließen.
Da weniger manuelle Programmierung erforderlich ist, sinken die Entwicklungskosten erheblich. Auch Wartung und Anpassungen sind meist günstiger, da sie ohne tiefgehende Entwicklerkenntnisse durchgeführt werden können.
"Low-Code eignet sich hervorragend, um wiederkehrende Aufgaben und Prozesse ohne großen Entwicklungsaufwand zu digitalisieren."
Trotz vieler Vorteile stößt Low-Code an seine Grenzen bei hochindividuellen Anforderungen. Sobald komplexe Logik, spezielle Schnittstellen oder außergewöhnliche Designs benötigt werden, reichen die Bordmittel vieler Plattformen nicht mehr aus.
Low-Code-Lösungen sind für Standardanwendungen optimiert. Bei sehr großen Benutzerzahlen oder datenintensiven Prozessen können Performanceprobleme auftreten, da die Plattformen nicht für maximale Effizienz ausgelegt sind.
Ein häufiger Kritikpunkt ist der Vendor Lock-in: Anwendungen sind oft an eine bestimmte Plattform gebunden. Ein späterer Wechsel ist aufwändig und teuer.
"Bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden, prüfen Sie die Export- und Integrationsmöglichkeiten sorgfältig!"
Weitere Informationen zum Umgang mit Anbieterabhängigkeit finden Sie im Artikel Plattformwahl ohne Risiko des Anbieter-Lock-ins.
| Kriterium | Low-Code | Klassisch |
| Geschwindigkeit | Schnell | Langsamer (bei komplexen Projekten) |
| Flexibilität | Begrenzt | Sehr hoch |
| Kosten | Geringer bei Standardlösungen | Höher bei Individualentwicklung |
| Wartung | Eher einfach | Abhängig von Komplexität |
| Skalierbarkeit | Begrenzt | Optimal steuerbar |
| Abhängigkeit | Hoch (Vendor Lock-in) | Niedrig |
Low-Code ist ideal für Standardprozesse, wiederkehrende Aufgaben und Anwendungen mit begrenzter Komplexität. Beispiele:
In diesen Fällen ist meist die klassische Entwicklung im Vorteil, da sie mehr Kontrolle und Flexibilität bietet.
Erstellen Sie eine Detailliste aller gewünschten Funktionen. Prüfen Sie, ob diese mit Standardbausteinen einer Low-Code-Plattform abbildbar sind.
Bewerten Sie, ob Ihre Anwendung Leistung, Skalierbarkeit oder spezielle Integrationen benötigt, die typische Low-Code-Lösungen nicht bieten.
Vergleichen Sie die Entwicklungskosten beider Ansätze. Kalkulieren Sie die laufenden Kosten für Wartung, Lizenzierung und mögliche Anpassungen.
Überlegen Sie, wie wichtig Unabhängigkeit vom Anbieter für Ihr Unternehmen ist. Prüfen Sie alternative Plattformen und mögliche Exit-Strategien.
Ein häufiger Fehler ist die Überschätzung der Möglichkeiten von Low-Code-Plattformen. Sie sollten stets die Langzeitperspektive im Auge behalten.
Ein Logistikunternehmen implementiert ein Low-Code-basiertes Tool zur Sendungsverfolgung. Die Lösung ist innerhalb weniger Wochen produktiv und deckt 90 % der Anforderungen ab. Für die restlichen 10 % wird eine individuelle Erweiterung notwendig, die jedoch nur eingeschränkt möglich ist.
Ein Finanzdienstleister benötigt ein Portal mit speziellen Sicherheitsanforderungen, flexibler API-Anbindung und individuellen Workflows. Klassische Entwicklung ist hier notwendig, da Low-Code-Plattformen nicht alle regulatorischen Anforderungen erfüllen.
Ein Start-up setzt auf Low-Code, um einen MVP (Minimal Viable Product) zu testen. Nach dem Markttest entscheidet sich das Team für eine Neuentwicklung auf klassischer Basis, um Skalierung und Flexibilität sicherzustellen.
Low-Code-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Neue Funktionen und offene Schnittstellen ermöglichen immer komplexere Anwendungen. Dennoch bleibt die klassische Entwicklung für komplexe oder unternehmenskritische Systeme unersetzlich.
Die Grenzen zwischen beiden Ansätzen verschwimmen. Hybride Modelle werden zunehmend populär, um Geschwindigkeit und Individualität zu kombinieren.
Low-Code bietet enorme Vorteile bei Geschwindigkeit, Kosten und Standardisierung. Dennoch ist die klassische Entwicklung bei Individuisierung, Performance und langfristiger Unabhängigkeit oft überlegen. Analysieren Sie Ihre Anforderungen sorgfältig und wählen Sie bewusst den passenden Ansatz.
Sie möchten mehr über die optimale Plattformwahl erfahren? Lesen Sie weiter im Beitrag Low-Code-ROI optimieren: Plattformwahl ohne Risiko des Anbieter-Lock-ins oder kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung!