20. Aug. 2025Künstliche Intelligenz

ChatGPT oder Claude im Unternehmen: Welches Tool passt zu Ihrem Team?

Vergleichen Sie ChatGPT und Claude anhand konkreter Arbeitsergebnisse Ihres Teams, etwa eines Angebotsvergleichs, einer Kundenantwort oder eines Berichts auf Grundlage mehrerer Dokumente. Wählen Sie das Tool, mit dem Ihr Team bei weniger Korrekturaufwand ein richtiges Ergebnis erhält - vorausgesetzt, Zugriffsmöglichkeiten, Kosten und der Umgang mit Daten entsprechen Ihren Anforderungen. Der Markenname allein sagt weder aus, wie gut eine konkrete Aufgabe gelöst wird, noch ob bestimmte Dokumente hochgeladen werden dürfen.

Wer die Arbeit im Team organisiert, sollte zwei Entscheidungen auseinanderhalten: einen fertigen Assistenten für Beschäftigte zu kaufen oder KI in ein eigenes System einzubauen. Das sind unterschiedliche Vorhaben. Ein gutes Ergebnis im Chatfenster ist ein hilfreicher Anhaltspunkt. Es ersetzt jedoch keine Prüfung der automatisierten Kundenbetreuung oder Dokumentenverarbeitung in Ihrer Anwendung.

Was vergleichen Sie eigentlich?

ChatGPT ist ein Produkt von OpenAI, Claude ein Produkt von Anthropic. Hier geht es vor allem um die Anwendungen, mit denen Beschäftigte arbeiten. Ein Anwendungsname bezeichnet keine einzelne, unveränderliche Modellversion: Das gewählte Modell, verfügbare Werkzeuge, Dateien und Kontoeinstellungen beeinflussen das Ergebnis. Halten Sie deshalb Datum, Tarif, sichtbaren Modellnamen oder automatische Modellauswahl sowie den Ablauf der Aufgabe fest. So bleibt später nachvollziehbar, worauf Ihre Entscheidung beruhte.

Eine API verbindet die Software Ihres Unternehmens mit einem KI-Dienst. Eine eigene Integration erfordert zusätzlich Fehlerbehandlung, Berechtigungen, Ergebniskontrollen und ein Budget für den laufenden Betrieb. Die Abrechnungsdokumentation von OpenAI unterscheidet zwischen Abonnementnutzung und API-Preisen. Anthropic beschreibt ebenfalls eine separate API-Abrechnung, wobei ausgewählte Tarife API-Guthaben enthalten. Gehen Sie nicht davon aus, dass gekaufte Nutzerplätze jede Nutzung in Ihrer eigenen Anwendung abdecken.

Gespräch, fertige Datei und ausgeführte Aktion stellen unterschiedliche Anforderungen

Braucht ein Mitarbeiter einen Nachrichtenentwurf, können Sie dessen Inhalt und die Möglichkeiten zur Überarbeitung bewerten. Soll er eine Tabelle abliefern, müssen auch Berechnungen und weitere Bearbeitbarkeit geprüft werden. Soll der Assistent Daten in einem anderen System ändern, kommen Zugriffsrechte und die Folgen dieser Aktion hinzu. „Hilft bei der Analyse“ ist als Kaufkriterium zu ungenau.

In ChatGPT dient Work dazu, Aufgaben mit mehreren Schritten zu erledigen und ein prüfbares Arbeitsergebnis vorzubereiten. Dabei kann es freigegebene Dateien und Werkzeuge nutzen. In Claude übernimmt Cowork solche Aufgaben; Verfügbarkeit und Einschränkungen hängen vom Tarif und der Nutzungsweise ab. Stand 15. Oktober 2026 führt Anthropic außerdem schrittweise eine gemeinsame Oberfläche für Gespräche und Aufgaben ein. Prüfen Sie, ob die benötigten Funktionen auf dem vorgesehenen Konto verfügbar sind.

Führen Sie vor der Entscheidung die gesamte Aufgabe in beiden Anwendungen aus: von der Auswahl der Dokumente bis zum Öffnen und Prüfen des Ergebnisses. Müssen Beschäftigte Unterlagen manuell herunterladen, Daten übertragen oder die Formatierung neu aufbauen? Diese Schritte können wichtiger sein als die Frage, welche Antwort zuerst erscheint.

Die Anbindung Ihrer Geschäftsanwendungen kann den Ausschlag geben

Liegen die benötigten Informationen in mehreren Systemen, prüfen Sie die passenden Verbindungen im gewählten Tarif. Bei ChatGPT Work hängt der Zugriff unter anderem von Organisationseinstellungen und den Rechten des verbundenen Kontos ab. Auch Claude-Konnektoren nutzen die Rechte des Quellkontos. Gemeinsam verwendete Zugangsdaten können einen größeren Zugriffsumfang haben als das persönliche Konto eines Mitarbeiters.

Der Name Ihres Systems auf einer Integrationsliste genügt nicht. Prüfen Sie die konkrete Aktion: eine Datei lesen, eine Nachricht suchen oder einen Datensatz ändern. Klären Sie, ob dafür eine Zustimmung des Mitarbeiters nötig ist und wer den Zugriff entziehen kann. Soll das Team lediglich Antwortentwürfe vorbereiten, ist automatisches Versenden für dieses Ziel nicht erforderlich.

Eine konkrete Aufgabe zeigt mehr als eine allgemeine Stärkenliste

Stellen Sie sich vor, jemand soll eine Dienstleistung einkaufen und erhält Angebote in mehreren Dateien. Bereiten Sie für den Versuch freigegebene Unterlagen vor, deren Unterschiede Sie kennen: Einführungskosten, Abonnementgebühr, Liefertermin und Supportumfang. In einem Angebot kann der Termin fehlen. Das ist ein bewusst gewählter Testfall, keine Beschreibung eines Kundenprojekts.

Die Anweisung könnte lauten: „Vergleiche die angehängten Angebote nach Einführungskosten, Monatsgebühr, Liefertermin und Support. Nenne zu jeder Angabe das Dokument und die Fundstelle. Kennzeichne fehlende Informationen ausdrücklich. Ergänze keine Bedingungen, die nicht in den Angeboten stehen. Formuliere abschließend Fragen an die Anbieter.“

Bewerten Sie die Antworten anhand vorher festgelegter Kriterien. Stimmen die Beträge mit den Dokumenten überein? Wurde eine einmalige Gebühr mit einer monatlichen verwechselt? Bleibt der fehlende Termin als Lücke erkennbar, statt zu einem erfundenen Datum zu werden? Belegt die genannte Fundstelle tatsächlich die jeweilige Angabe? Die prüfende Person braucht Zugang zu den Originalunterlagen, nicht nur zur Antwort des Assistenten.

Übertragen Sie dieses Prinzip auf andere Aufgaben. Prüfen Sie bei einer Vertriebsnachricht, ob eine Zusage hinzugefügt wurde, die nicht im Angebot steht. Bei einem Bericht sollten sich die Zahlen nachvollziehen lassen. Arbeitet Ihr Team auf Polnisch und Deutsch, vergleichen Sie diese Sprachen getrennt. Ein englischer Test sagt nicht aus, wie natürlich die Korrespondenz mit Ihren Kunden klingt.

Leiten Sie aus einer gelungenen Antwort keine allgemeine Rangliste ab. Wiederholen Sie den Versuch mit verschiedenen typischen Fällen und unvollständigen Informationen. Erfassen Sie auch den Zeitaufwand für Vorbereitung, Prüfung und Korrekturen. Verlagert der Assistent die Arbeit lediglich vom Schreiben auf eine mühsame Kontrolle, sollten Sie die Aufgabe oder deren Bearbeitung überdenken.

Regeln für Daten hängen vom Konto und von der Funktion ab

Klären Sie vor dem Teilen von Dokumenten, welche Kontotypen Ihr Unternehmen zulässt, welche Daten dort verwendet werden dürfen und wer Gespräche und Dateien einsehen kann. Für Claude Team und Enterprise erläutert Anthropic die Datenverwaltung durch die Organisation. Unterscheiden Sie die Bedingungen eines Geschäftskontos von denen eines privaten Mitarbeiterabonnements. Auch bei ChatGPT sind Tarif, Organisationseinstellungen und aktivierte Funktionen maßgeblich.

Prüfen Sie die Nutzung für das Training, Speicherung, Löschung und Zugriffe verbundener Dienste jeweils gesondert. Die Antwort auf eine dieser Fragen klärt die anderen nicht automatisch. Auch die Formulierung einer generierten Antwort beweist weder ihre Richtigkeit noch die Übereinstimmung mit Ihren Anforderungen. Ein zweites Modell kann helfen, ein Problem zu entdecken. Es ersetzt jedoch keine Quellenprüfung durch eine verantwortliche Person.

Wie wird aus dem Vergleich eine Kaufentscheidung?

Liefert ChatGPT bei den festgelegten Aufgaben bessere Ergebnisse und bietet die benötigten, zugelassenen Verbindungen, ist es für diesen Arbeitsbereich eine begründete Wahl. Entscheiden Sie sich entsprechend für Claude, wenn Ihr Team dort unter akzeptablen Bedingungen bessere Ergebnisse erzielt. Bei ähnlicher Qualität können die tatsächlichen Nutzungskosten, der Verwaltungsaufwand und die Zahl manueller Schritte entscheidend sein. Vergleichen Sie Limits und Gebühren der Tarife, die Ihr Unternehmen wirklich erwägt, statt ein kostenloses Konto mit dem Geschäftstarif des anderen Anbieters.

Beide Tools zu kaufen ist sinnvoll, wenn Sie unterschiedliche Einsatzfälle benennen können, die den zweiten Kostenpunkt und die zusätzliche Verwaltung rechtfertigen. Legen Sie zunächst fest, für welche Aufgaben die Entscheidung gilt, wer Ergebnisse abnimmt und wann neu bewertet werden muss. Ein anderes Modell, ein Tarifwechsel oder ein geänderter Datenzugriff kann das frühere Ergebnis verändern. Bei einer eigenen Integration sollten Sie API- und Betriebskosten gesondert kalkulieren.

Wie lässt sich das in Ihrem Unternehmen umsetzen?

Haben Sie Fragen zum Artikel? Beschreiben Sie Ihre Situation und was Sie verändern möchten. Gemeinsam besprechen wir, wie sich die Ansätze unter Ihren Rahmenbedingungen anwenden lassen.

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